Das Riviera in Grünau: Glanz, Verfall und die Rückkehr der Ballsaal-Eleganz

Wer heute an der Regattastraße in Grünau entlangschlendert, erlebt ein spannungsvolles Bild: Den Kontrast zwischen glänzenden neuen Wohnbauten und der mühsam geretteten Pracht zweier historischer Ballsäle. Das „Riviera“ ist einer dieser Schätze, die beinahe für immer verloren waren.

1. Die goldene Ära der Ausflugslokale

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Grünau zum exklusiven Villenvorort und zum Mekka des Wassersports. Nach der Eröffnung der Bahnstrecke strömten die Berliner in den Südosten, um frische Luft zu schnappen.

  • Bau: Das Riviera wurde um 1890 errichtet.

  • Architektur: Es bestach durch seinen prachtvollen Ballsaal mit einer aufwendig verzierten Decke, großen Rundbogenfenstern zur Dahme und einer weitläufigen Terrasse.

  • Atmosphäre: Hier wurde getanzt, gefeiert und die Sommerfrische genossen. Es war der Inbegriff bürgerlicher Lebensfreude im kaiserlichen Berlin und später in den „Goldenen Zwanzigern“.

2. Von der DDR bis zum Stillstand

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg und während der DDR-Zeit blieb das Riviera ein wichtiger Ort. Es wurde als Gaststätte und Veranstaltungsort genutzt, verlor jedoch nach und nach an Glanz.

Nach der Wende im Jahr 1991 kam das endgültige Aus für den Gastronomiebetrieb. Was folgte, war ein fast drei Jahrzehnte währender Dornröschenschlaf, der fast in einer Tragödie geendet hätte:

  • Vandalismus und Verfall: Die Gebäude wurden geplündert, Fensterscheiben eingeworfen, und die Natur begann, sich die Säle zurückzuholen.

  • Eigentümerstreit: Jahrelang gab es zähe Verhandlungen zwischen Investoren, dem Denkmalschutz und Bürgerinitiativen, die den Abriss des Ensembles verhindern wollten.

3. Die Rettung in letzter Sekunde

Lange Zeit sah es so aus, als sei das Schicksal des Riviera besiegelt. Doch nach massivem öffentlichem Druck und dem Einsatz von Denkmalschützern wurde ein Kompromiss gefunden. Ein Investor übernahm das Gelände, um dort Seniorenwohnungen zu errichten – unter der strengen Auflage, die historischen Ballsäle zu sanieren und zu erhalten.

Die Sanierung war eine Mammutaufgabe:

  • Die historische Bausubstanz war durch Feuchtigkeit und Hausschwamm extrem angegriffen.

  • Mit großem Aufwand wurden die Stuckdecken, die Säulen und die Fassadendetails nach historischem Vorbild restauriert.

4. Das Riviera heute: Ein neues Kapitel

Seit etwa 2022 erstrahlt das Riviera (zusammen mit dem Gesellschaftshaus) in neuem Glanz. Die Ballsäle sind baulich gerettet und in den Komplex der modernen Wohnanlage integriert worden.

Heute dienen sie als:

  • Veranstaltungsräume: Für Konzerte, Lesungen oder private Feiern.

  • Begegnungsorte: Sie schlagen die Brücke zwischen der modernen Architektur der Neubauten und der historischen Identität Grünaus.


Ein Spaziergang lohnt sich

Auch wenn man heute nicht mehr einfach so „einkehren“ kann wie vor 100 Jahren, ist die Fassadenfront zur Dahme hin wieder ein echtes Schmuckstück. Ein Spaziergang entlang der Regatta-Strecke zeigt eindrucksvoll, dass sich der Kampf um das architektonische Erbe Berlins lohnen kann.

Fun Fact: In seiner Blütezeit war das Riviera so berühmt, dass es sogar in der Literatur und in alten Postkartenmotiven als eines der glanzvollsten Ziele der Berliner Umgebung verewigt wurde.